Als Arzt in die Schweiz? Sechs Kriterien, die das hohe Gehalt relativieren
Sie überlegen einen Wechsel? Wir sagen Ihnen in einem kurzen Gespräch, was der Markt in Ihrer Fachrichtung gerade hergibt.
Beratungstermin vereinbaren- Das hohe Bruttogehalt: was die Lohntabellen zeigen
- Arbeitszeit: 45 bis 50 Stunden statt 37,5 bis 40
- Steuern: Quellensteuer – niedrigere Steuern nicht immer der Fall
- Krankenkasse: Selbstbeteiligung und teure Zusatzversicherungen
- Lebenshaltungskosten: mehr verdienen, mehr ausgeben
- Zugang: wirklich gute Standorte bleiben kaum erreichbar
- Patienten: eine gewöhnungsbedürftige Mentalität
- Fazit: sehr überbewertet
- Wie wir Ihnen dabei helfen
- FAQ
Laut Bundesärztekammer sind im Jahr 2025 653 Ärzte aus Deutschland in die Schweiz gewechselt. Was viele vorher nicht rechnen: 45 bis 50 Stunden pro Woche, die Quellensteuer, eine Krankenkasse ohne Arbeitgeberanteil, der schwere Zugang zu guten Stellen und eine gewöhnungsbedürftige Mentalität der Patienten.
Die Schweiz ist das häufigste Ziel für Ärzte, die Deutschland verlassen. Laut Ärztestatistik 2025 der Bundesärztekammer haben 2.234 Ärzte im Jahr 2025 Deutschland verlassen, davon 653 in die Schweiz; nach Österreich gingen 341. Laut Ärztestatistik 2025 der FMH (Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte) haben 43% der in der Schweiz berufstätigen Ärzte ihr Diplom im Ausland erworben; laut Medienmitteilung der FMH vom 26. März 2025 (Daten für 2024) stellen Ärzte aus Deutschland darunter die größte Gruppe (49,4%).
Unsere Position: Diese Arbeit ist sehr überbewertet. Viele Ärzte sehen nur das hohe Bruttojahresgehalt und denken an niedrigere Steuern, was nicht immer der Fall ist, und vernachlässigen andere wichtige Kriterien. Sechs davon erläutern wir hier.
Das hohe Bruttogehalt: was die Lohntabellen zeigen
Einen einheitlichen Tarif für Ärzte gibt es in der Schweiz nicht. In den Kantonsspitälern gilt das Lohnsystem des Kantons, in anderen Spitälern oft ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV, das Gegenstück zum deutschen Tarifvertrag). Zwei Beispiele: Zürich und Bern. Die Zürcher Zahlen stammen vom VSAO Zürich (Verband der Assistenz- und Oberärzte, Stand 1. Januar 2026) und beruhen auf der Lohntabelle 2026 des Kantons. Die Berner Zahlen stammen vom VSAO Bern. Zum Vergleich Deutschland:
| Position | Grundlohn brutto im Jahr | Auszahlungen |
| Oberarzt mit Facharzttitel, Kanton Zürich, 1. Jahr | 153.197 – 159.942 CHF | 13, im Jahresbetrag enthalten |
| Oberarzt mit Facharzttitel, Kanton Zürich, ab dem 6. Jahr | 164.439 – 175.652 CHF | 13, im Jahresbetrag enthalten |
| Oberarzt, GAV Berner Spitäler und Kliniken, Einstieg (ab 1. April 2026) | 124.595 CHF (9.584,25 CHF im Monat × 13) | 13 |
| Oberarzt, TV-Ärzte/VKA, Entgeltgruppe III (ab 1. Juni 2026) | 113.515 – 129.731 € | 12 |
Quellen: VSAO Zürich, VSAO Bern, TV-Ärzte/VKA. Alle Beträge brutto, ohne Dienste, Zulagen und Marktzuschläge. In Deutschland haben kirchliche Träger und private Klinikkonzerne eigene Tabellen – maßgeblich ist Ihr Arbeitsvertrag.
Verglichen werden müssen Jahresbeträge: In Zürich und Bern gibt es 13 Monatslöhne, nach TV-Ärzte/VKA 12. Der Betrag in Franken ist höher – aber auch die Preise sind es. Laut Eurostat (Daten vom 17. Juni 2026) lag das Preisniveau für Konsumgüter und Dienstleistungen 2025 in der Schweiz bei 171, in Deutschland bei 108 (EU-Durchschnitt = 100) – rund 58% höher.
Zum Vergleich: Was ein Oberarzt in Deutschland nach Tarif verdient, zeigt unsere Übersicht zum Oberarzt-Gehalt 2026.
Arbeitszeit: 45 bis 50 Stunden statt 37,5 bis 40
Nach unserer Erfahrung beinhalten die meisten Vollzeitarbeitsverträge in der Schweiz als Arbeitszeit 45 bis 50 Stunden pro Woche, was das Gehalt schon mal zu den deutschen 37,5 bis 40 Stunden relativiert.
Den Rahmen setzt das Arbeitsgesetz (ArG): Nach Art. 9 gilt für die meisten Spitalärzte eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 50 Stunden. Laut GAV Berner Spitäler und Kliniken (gültig ab 1. April 2026) gilt für Oberärzte und Spitalfachärzte eine „Sollarbeitszeit von 46 Stunden pro Woche“, dafür gibt es 7 zusätzliche Ferientage (Urlaubstage) im Jahr. Ärzten mit Facharzttitel, die eine zusätzliche Vergütung von mindestens 24.000 Franken im Jahr erhalten, werden laut demselben GAV gewöhnliche Überstunden nicht vergütet – nur die Überzeit über die gesetzliche Höchstarbeitszeit hinaus.
Was in der Praxis herauskommt: Laut VSAO-Umfrage vom 8. Juni 2026 arbeiteten Assistenz- und Oberärzte 2025 im Durchschnitt 54,6 Stunden pro Woche, hochgerechnet auf ein Vollzeitpensum – mehr, als das Gesetz erlaubt.
In Deutschland liegt die Wochenarbeitszeit je nach Vertrag bei 37,5 bis 40 Stunden; nach TV-Ärzte/VKA und TV-Ärzte (TdL) sind es 40 Stunden, maßgeblich ist Ihr Arbeitsvertrag. 46 Stunden statt 40 sind 15% mehr Zeit, 50 statt 40 sind 25% mehr.
Steuern: Quellensteuer – niedrigere Steuern nicht immer der Fall

Laut Eidgenössischer Steuerverwaltung (ESTV) (Stand der Gesetzgebung 1. Januar 2025) zahlt ein ausländischer Arbeitnehmer ohne Niederlassungsbewilligung C, der nicht mit einer Person mit Schweizer Bürgerrecht oder Bewilligung C verheiratet ist, die Quellensteuer: Der Arbeitgeber zieht die Steuer nach dem Quellensteuertarif seines Kantons direkt vom Lohn ab. Für einen Arzt aus Deutschland sind das in der Regel die ersten Jahre im Land.
Es gibt aber eine Schwelle. Dieselbe Publikation der ESTV: „Die nachträgliche ordentliche Veranlagung ist für Quellensteuerpflichtige mit einem Bruttoeinkommen über CHF 120’000 pro Jahr obligatorisch“ – Art. 89 DBG und Art. 33a StHG. Mit dem Einstiegslohn eines Oberarztes in Zürich oder Bern liegt man schon im ersten vollen Jahr darüber. Die Quellensteuer ist dann eine Vorauszahlung, nicht die endgültige Steuer: Abgerechnet wird nach der ordentlichen Veranlagung, wie bei jedem Einwohner des Kantons, mit allen Regeln von Kanton und Gemeinde. Wir sehen, dass das Wort „Quellensteuer“ oft als „einfacher, niedriger Tarif“ gelesen wird. Für Oberärzte trifft das nicht zu.
Wie hoch die Belastung am Ende ist, hängt vom Wohnort ab. Laut ESTV gilt: „Aufgrund der föderalistischen Staatsstruktur erheben neben dem Bund auch die Kantone und Gemeinden Steuern“, weshalb sich die Steuerbelastung je nach Wohnort unterscheidet. Niedrigere Steuern – nicht immer der Fall.
Krankenkasse: Selbstbeteiligung und teure Zusatzversicherungen
Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) gilt: „Jede Person, die sich in der Schweiz niederlässt, muss spätestens drei Monate nach ihrer Wohnsitznahme in der Schweiz eine Krankenversicherung abschließen.“
Laut BAG legt der Krankenversicherer die Prämie „unabhängig von Einkommen einheitlich pro Person“ fest – nach Wohnregion und gewähltem Versicherungsmodell. Kein Prozentsatz vom Lohn, sondern ein fester Betrag für jedes Familienmitglied. Laut BAG wird die Grundversicherung „über Beiträge der Versicherten (Prämien), Kostenbeteiligungen der Versicherten (Franchise, Selbstbehalt, Spitalbeitrag) und Gelder des Bundes und der Kantone“ finanziert – der Arbeitgeber kommt in dieser Aufzählung nicht vor. In Deutschland tragen Beschäftigte und Arbeitgeber den Beitrag nach § 249 SGB V „jeweils zur Hälfte“. Für eine vierköpfige Familie sind das in der Schweiz vier Prämien.
Laut BAG (Mitteilung vom 23. September 2025) beträgt die mittlere Prämie 2026 393,30 Franken im Monat, 4,4% mehr als 2025; für Erwachsene sind es 465,30 Franken, für Kinder 122,50. Dazu kommt die Selbstbeteiligung: Laut BAG liegt die Franchise – der Betrag, bis zu dem der Patient die Behandlungskosten selbst trägt – nach Wahl zwischen 300 und 2.500 Franken im Jahr; je höher die Franchise, desto niedriger die Prämie. Über die Franchise hinaus zahlt der Versicherte einen Selbstbehalt von 10% der Kosten, höchstens 700 Franken im Jahr; bei einem Spitalaufenthalt kommt ein Spitalbeitrag von 15 Franken pro Tag hinzu.
Die Zusatzversicherung (zum Beispiel für die halbprivate Abteilung oder die freie Arztwahl im Spital) funktioniert anders. Laut BAG gilt: „Die Zusatzversicherungen unterstehen dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) mit den allgemeinen Vertragsbedingungen. Sie sind freiwillig und es besteht keine Aufnahmepflicht.“ Der Versicherer kann also ablehnen oder Bedingungen stellen. Nach unserer Erfahrung entstehen bei den Zusatzversicherungen sehr hohe Kosten.
Lebenshaltungskosten: mehr verdienen, mehr ausgeben
Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz – Miete oder Kauf einer Immobilie, Lebensmittel und vieles mehr – liegen deutlich über dem deutschen Niveau und dem europäischen Durchschnitt. Man verdient dort also nicht nur mehr, sondern gibt auch deutlich mehr für den Lebensunterhalt aus und hat viel höhere regelmäßige Ausgaben jeden Monat.
Laut Eurostat (Daten vom 9. Juli 2026) lag das Preisniveau für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke 2025 in der Schweiz bei 155,9, in Deutschland bei 102,4 (EU-Durchschnitt = 100) – rund 52% höher. Bei „Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe“ – dazu gehören auch die Mieten – waren es 213,1 gegenüber 113,9, also rund 87% mehr.
Laut Bundesamt für Statistik (BFS) betrug die durchschnittliche monatliche Nettomiete 2024 in der Schweiz 1.485 Franken; am höchsten waren die Mieten in den Kantonen Zug, Zürich und Schwyz. Eine neu gebaute 4-Zimmerwohnung wurde 2024 im Schnitt für 2.304 Franken im Monat vermietet.
Zugang: wirklich gute Standorte bleiben kaum erreichbar

Deutsche Ärzte arbeiten in der Schweiz in großer Zahl. Doch nach unserer Erfahrung hat man als ausländischer Arzt – und die Deutschen zählen dazu – kaum einen Zugang zu wirklich guten medizinischen Standorten; sie sind praktisch nur für die Schweizer reserviert.
Für den ambulanten Sektor, in dem laut FMH 55% der in der Schweiz tätigen Ärzte arbeiten, steht die Hürde im Gesetz. Laut BAG muss ein Arzt nach Art. 37 des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) für die Zulassung zur Tätigkeit zulasten der obligatorischen Krankenversicherung – also in einer Praxis oder einem ambulanten Zentrum – „mindestens 3 Jahre im beantragten Fachgebiet an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte gearbeitet“ haben und seine Sprachkompetenz nachweisen. Deutsche Weiterbildungsjahre zählen dabei nicht. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn der Kanton in einem Fachgebiet oder einer Region eine Unterversorgung sieht (Art. 37 Abs. 1bis, seit dem 18. März 2023). Dazu erlaubt Art. 55a KVG laut BAG den Kantonen, „die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die ambulante Leistungen zu Lasten der OKP erbringen dürfen, zu beschränken“.
Für einen Facharzt aus Deutschland heißt das: Der Weg in die eigene Praxis oder in ein ambulantes Zentrum öffnet sich frühestens nach drei Jahren an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte und hängt danach von den Höchstzahlen des Kantons ab.
Patienten: eine gewöhnungsbedürftige Mentalität
Nach unserer Erfahrung ist die Mentalität der Patienten in der Schweiz gewöhnungsbedürftig und kostet viel mentale Kraft. Das berichten uns Ärzte, die dort gearbeitet haben oder arbeiten. Messen lässt sich das nicht – vor der Entscheidung gehört es trotzdem in die Rechnung.
Fazit: sehr überbewertet

Das hohe Bruttojahresgehalt in Franken relativiert sich durch 45 bis 50 Stunden pro Woche, die Quellensteuer, die Krankenkasse ohne Arbeitgeberanteil, höhere Preise, den schweren Zugang zu wirklich guten Standorten und die Mentalität der Patienten. Unser Schluss: Diese Arbeit ist sehr überbewertet.
Bevor man wechselt, lohnt sich der Vergleich mit dem, was näher liegt: In Österreich gibt es 14 Bezüge im Jahr und eine automatische Gehaltserhöhung nach Kollektivvertrag bzw. Dienstrecht – dazu mehr in unserem Artikel über die Arbeit als Arzt in Österreich.
Alternative in Baden-Württemberg: Stellen bei Apoli
- Ärztliche Leitung Nephrologie, Baden-Württemberg Süd
- Oberarzt ZNA, Baden-Württemberg
- Facharzt Anästhesiologie, Stuttgart
- Facharzt Nephrologie, Baden-Württemberg (Praxis/MVZ)
- Alle offenen Stellen
Wie wir Ihnen dabei helfen
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FAQ
Wie viel verdient ein Oberarzt in der Schweiz? Einen einheitlichen Tarif gibt es nicht. Im Kanton Zürich liegt der Grundlohn eines Oberarztes mit Facharzttitel laut VSAO Zürich (Stand 1. Januar 2026) im ersten Jahr zwischen 153.197 und 159.942 Franken im Jahr, ab dem sechsten Jahr bei bis zu 175.652 Franken, inklusive 13. Monatslohn. Nach dem GAV der Berner Spitäler liegt der Einstiegslohn laut VSAO Bern seit April 2026 bei 9.584,25 Franken im Monat, 13-mal im Jahr. Das ist brutto ohne Dienste und Zulagen.
Wie viele Stunden arbeitet ein Arzt in der Schweiz? Nach unserer Erfahrung beinhalten die meisten Vollzeitverträge 45 bis 50 Stunden pro Woche; das Arbeitsgesetz erlaubt höchstens 50. Der GAV der Berner Spitäler sieht für Oberärzte 46 Stunden vor. Laut VSAO-Umfrage arbeiteten Assistenz- und Oberärzte 2025 im Durchschnitt 54,6 Stunden. In Deutschland sind es je nach Vertrag 37,5 bis 40 Stunden.
Muss ich als deutscher Arzt in der Schweiz Quellensteuer zahlen? Ja, solange Sie keine Niederlassungsbewilligung C haben und nicht mit einer Person mit Schweizer Bürgerrecht oder Bewilligung C verheiratet sind: Der Arbeitgeber zieht die Steuer vom Lohn ab. Laut ESTV ist bei einem Bruttoeinkommen über 120.000 Franken im Jahr aber die nachträgliche ordentliche Veranlagung obligatorisch – abgerechnet wird nach den Regeln von Kanton und Gemeinde, wie bei Einheimischen. Ob die Belastung niedriger ist als in Deutschland, hängt vom Wohnort ab.
Was kostet die Krankenversicherung in der Schweiz? Die Prämie wird pro Person und unabhängig vom Einkommen berechnet, einen Arbeitgeberanteil gibt es nicht. Laut BAG beträgt die mittlere Prämie 2026 393,30 Franken im Monat, für Erwachsene 465,30. Dazu kommen laut BAG eine Franchise zwischen 300 und 2.500 Franken im Jahr und ein Selbstbehalt von 10% darüber hinaus, höchstens 700 Franken. Die Zusatzversicherung ist freiwillig, und der Versicherer muss niemanden aufnehmen.
Kann ich als deutscher Facharzt in der Schweiz eine Praxis eröffnen? Nicht sofort. Nach Art. 37 KVG setzt die Zulassung zur Tätigkeit zulasten der obligatorischen Krankenversicherung laut BAG mindestens drei Jahre im eigenen Fachgebiet an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte und den Nachweis der Sprachkompetenz voraus. Außerdem können die Kantone nach Art. 55a KVG die Zahl der Ärzte im ambulanten Sektor nach Fachgebieten und Regionen beschränken.
Ihr qualifizierter Karriereberater
Igor Naumann
Spricht täglich mit Ärztinnen und Ärzten, Chefärzten, Personalleitungen und Geschäftsführungen. Vermittelt Fachärztinnen, Oberärzte und Leitende Oberärzte an Kliniken, MVZ und Praxen in Deutschland und Österreich.