Leitender Oberarzt oder Oberarzt: Unterschied bei Verantwortung, Vergütung und Vertrag

Karriere & Gehalt

Igor Naumann 8 Min. Lesezeit

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Im Arbeitsalltag unterscheiden sich Oberarzt und Leitender Oberarzt kaum. Der Leitende Oberarzt ist in der Regel der ständige Vertreter des Chefarztes – und der Grund, warum Oberärzte diesen Schritt gehen, ist nach unserer Erfahrung das Geld: mehr Gehalt und eine Vergütung außerhalb der Tariftabelle.

Hand aufs Herz: Im Arbeitsalltag sehen wir zwischen diesen beiden Positionen keinen großen Unterschied. Warum will ein Oberarzt also Leitender Oberarzt werden? Der Grund ist eindeutig, und es gibt nur einen: mehr Geld verdienen und die Möglichkeit bekommen, nicht nach Tarif, sondern außertariflich bezahlt zu werden.

Im Alltag: kaum ein Unterschied

Oberarzt und Leitender Oberarzt im Vergleich: Arbeitsalltag, Verantwortung und Hintergrunddienste

Beide sind Fachärzte. Beide behandeln Patienten, beide tragen die medizinische Verantwortung für ihren Bereich, und in der Regel machen beide Hintergrunddienste. Nach unserer Erfahrung sieht der Arbeitstag eines Oberarztes und eines Leitenden Oberarztes fast gleich aus.

Der eigentliche Unterschied: der Stellvertreter des Chefarztes

Worin liegt der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Positionen? Der Leitende Oberarzt ist in der Regel zugleich der Stellvertreter des Chefarztes. Er übernimmt zusätzliche administrative und organisatorische Aufgaben in der Abteilung – und dafür wird er besser bezahlt. Ist der Chefarzt nicht da, trägt der Leitende Oberarzt die Verantwortung.

Die Tarifverträge knüpfen die höchste Entgeltgruppe genau an diese Stellvertretung. Laut TV-Ärzte/VKA (§ 16 Buchst. d) ist Leitender Oberarzt, wem „die ständige Vertretung der leitenden Ärztin/ des leitenden Arztes (Chefärztin/ Chefarzt) vom Arbeitgeber ausdrücklich übertragen worden ist“. Die Protokollerklärung präzisiert: Leitender Oberarzt ist nur, wer den Chefarzt „in der Gesamtheit ihrer / seiner Dienstaufgaben“ vertritt. Und weiter: „Das Tätigkeitsmerkmal kann daher innerhalb einer Klinik in der Regel nur von einer Ärztin / einem Arzt erfüllt werden.“ Ebenso ist es im TV-Ärzte (TdL) für Universitätskliniken und in den AVR der Diakonie geregelt; bei Sana wird die Vertretung „durch schriftliche Ernennung“ übertragen.

Bei Helios heißt die höchste Entgeltgruppe sogar „Chefarzt-Stellvertreter“ (TV-Ärzte Entgelt Helios). Die Bezeichnung in einer Stellenanzeige allein bedeutet also noch nicht die höchste Entgeltgruppe: Diese erhält, wem die ständige Vertretung des Chefarztes übertragen ist.

Und noch eine Grenze: Überträgt der Arbeitgeber einem Oberarzt die Tätigkeit des Leitenden Oberarztes nur vorübergehend und übt er sie mindestens einen Monat aus, erhält er nach TV-Ärzte/VKA (§ 17) für diese Zeit eine persönliche Zulage. Leitender Oberarzt wird er dadurch nicht.

Warum ein Oberarzt Leitender Oberarzt werden will: das Geld

Warum gerade das Geld? Weil die Tariftabellen für diesen Schritt nur wenig mehr vorsehen. Der Unterschied zwischen der letzten Stufe als Oberarzt und der ersten Stufe als Leitender Oberarzt:

Träger / TarifOberarzt, letzte StufeLeitender Oberarzt, erste StufeDifferenzgültig
Kommunale Krankenhäuser, TV-Ärzte/VKA10.810,95 €11.127,50 €+ 316,55 €ab 1. Juni 2026
Universitätskliniken, TV-Ärzte (TdL)11.265,33 €11.265,33 €0 €ab 1. April 2026
Kirchliche Träger: Diakonie, AVR DD10.603,36 €10.913,80 €+ 310,44 €ab 1. Januar 2025
Kirchliche Träger: Diakonie Hessen, AVR.HN10.003 €10.772 €+ 769 €2026
Private Klinikkonzerne: Asklepios10.510 €11.125 €+ 615 €2026
Private Klinikkonzerne: Sana (inkl. 308,10 €)10.708 €11.019 €+ 311 €ab 1. Februar 2026
Private Klinikkonzerne: Rhön (inkl. Strukturzulage)10.416 €10.842 €+ 426 €ab 1. September 2026

Quellen: TV-Ärzte/VKA, TV-Ärzte (TdL), AVR DD, AVR.HN, Asklepios, Sana, Rhön. Brutto im Monat, ohne Dienste und Zulagen; die Differenz haben wir anhand der Tabellen berechnet. Bei anderen Trägern gelten eigene Tabellen – maßgeblich ist Ihr Arbeitsvertrag. Die vollständigen Tabellen stehen in unserem Artikel zum Oberarztgehalt.

An Universitätskliniken entspricht die erste Stufe als Leitender Oberarzt laut Tabelle der letzten Stufe als Oberarzt – mehr gibt es dort erst mit den weiteren Stufen, bis zu 12.711,58 Euro. Bei den übrigen Trägern liegt das Plus zwischen gut 300 und knapp 770 Euro im Monat.

Das eigentliche Geld liegt deshalb außerhalb der Tabelle. Der TV-Ärzte/VKA benennt diesen Punkt selbst: Nach § 18 Abs. 2 ist für Oberärzte und Leitende Oberärzte „die Vereinbarung eines außertariflichen Entgelts jeweils nach Ablauf einer angemessenen, in der letzten tariflich ausgewiesenen Stufe verbrachten Zeit zulässig“; ebenso in den AVR DD (§ 17 Abs. 2). In der Tabelle von Rhön steht nach der letzten Stufe als Oberarzt „danach AT“. Strenger ist es an Universitätskliniken: Laut TV-Ärzte (TdL) (§ 1 Abs. 2) gilt der Tarifvertrag nicht für Ärzte, „die ein über das Tabellenentgelt der Entgeltgruppe Ä 4 hinausgehendes regelmäßiges Entgelt erhalten“. Außertariflich heißt dort also: raus aus dem Tarifvertrag.

Ob ein Arbeitgeber außertariflich zahlt, entscheiden Angebot und Nachfrage. Ist der Bedarf eines Arbeitgebers an einem bestimmten Arzt groß, dann ist er bereit, außertariflich zu zahlen – unabhängig davon, ob das Krankenhaus kommunal ist oder der Kirche gehört. Je begehrter der Standort, desto geringer die Chance auf ein Gehalt über Tarif: In München oder Berlin wollen viele Ärzte leben und arbeiten. In einer Kleinstadt in Thüringen ist die Lage eine andere, dort ist man bereit, mehr Geld zu zahlen. Manche Arbeitgeber bieten auf dieser Stufe zusätzlich eine Beteiligung an den Liquidationserlösen.

Der Vertrag: mehr Geld – aber in der richtigen Form

Vertrag als Leitender Oberarzt: Tarifvertrag mit Zusatzvereinbarung statt außertariflichem Vertrag

Das Motiv ist klar: Geld über die Tabelle hinaus. Die Form ist eine andere Frage. Außertarifliches Geld heißt nicht außertariflicher Vertrag: Das Mehr an Geld gehört in die Zusatzvereinbarung zum Tarifvertrag. Unser Rat ist derselbe wie auf unserer Website: niemals einen außertariflichen Vertrag abschließen; versuchen Sie immer einen Tarifvertrag mit einer Zusatzvereinbarung zu unterzeichnen – so bauen Sie sich eine permanente tarifliche Gehaltserhöhung ein.

Im Vertrag als Leitender Oberarzt kommt es darauf an, dass die ständige Vertretung des Chefarztes klar übertragen ist – nach TV-Ärzte/VKA „ausdrücklich“, bei Sana „durch schriftliche Ernennung“ – und dass die Entgeltgruppe des Leitenden Oberarztes darin steht: je nach Tarif EG IV oder Ä 4. Alles, was über die Tabelle hinausgeht, gehört in die Zusatzvereinbarung. An Universitätskliniken gilt dabei die Grenze aus § 1 Abs. 2 TV-Ärzte (TdL). Maßgeblich ist Ihr Arbeitsvertrag.

Und danach: der Weg zum Chefarzt

Weg zum Chefarzt: einzelvertragliche Vereinbarung statt TV-Ärzte/VKA für Chefärzte

Für manche Ärzte ist der Leitende Oberarzt die letzte Stufe vor dem Chefarzt. In Stellenangeboten liest man das auch so: „Chefarztnachfolge möglich“, „Möglichkeit die Leitung zu übernehmen“. Mit diesem Schritt ändert sich auch der Vertrag: Laut TV-Ärzte/VKA (§ 1 Abs. 2) gilt der Tarifvertrag nicht für Chefärzte, „wenn deren Arbeitsbedingungen einzelvertraglich vereinbart worden sind oder werden“.

Wie solche Stellen besetzt werden – öffentlich ausgeschrieben oder über den „verdeckten Stellenmarkt“ –, lesen Sie in unserem Artikel zu Oberarztstellen.

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FAQ

Was ist ein Leitender Oberarzt? In der Regel der ständige Vertreter des Chefarztes. Nach TV-Ärzte/VKA ist das der Arzt, dem der Arbeitgeber die ständige Vertretung des Chefarztes ausdrücklich übertragen hat – in der Gesamtheit seiner Dienstaufgaben. Deshalb gibt es in einer Abteilung in der Regel nur einen. Er übernimmt administrative und organisatorische Aufgaben, und ist der Chefarzt nicht da, trägt er die Verantwortung.

Was ist der Unterschied zwischen Oberarzt und Leitendem Oberarzt? Im Arbeitsalltag kaum einer: Beide sind Fachärzte, beide behandeln Patienten und machen Dienste. Der entscheidende Unterschied ist die ständige Vertretung des Chefarztes mit zusätzlichen administrativen und organisatorischen Aufgaben. Und das Geld: Nach den Tariftabellen ist das Plus gering, der eigentliche Unterschied liegt in der Möglichkeit, außertariflich bezahlt zu werden.

Was verdient ein Leitender Oberarzt? Nach TV-Ärzte/VKA ab dem 1. Juni 2026: 11.127,50 Euro in der ersten und 11.922,95 Euro in der zweiten Stufe, nach TV-Ärzte (TdL) ab dem 1. April 2026 zwischen 11.265,33 und 12.711,58 Euro im Monat – brutto, ohne Dienste. Bei den kirchlichen und privaten Trägern aus unserer Tabelle liegt die erste Stufe zwischen 10.772 Euro (AVR.HN) und 11.125 Euro (Asklepios). Das eigentliche Geld kann auf dieser Stufe außerhalb der Tabelle liegen: außertariflich. Maßgeblich ist Ihr Arbeitsvertrag.

Wie wird man Leitender Oberarzt? Der Arbeitgeber überträgt Ihnen die ständige Vertretung des Chefarztes – nach TV-Ärzte/VKA „ausdrücklich“, bei Sana „durch schriftliche Ernennung“. Eine Mindestzahl an Jahren als Oberarzt nennt der Tarifvertrag dafür nicht. Maßgeblich ist Ihr Arbeitsvertrag.

Kann es mehrere Leitende Oberärzte in einer Abteilung geben? Die höchste Entgeltgruppe erhält nach den Tarifverträgen der ständige Vertreter des Chefarztes – und den gibt es in einer Abteilung in der Regel nur einmal, so steht es ausdrücklich im TV-Ärzte/VKA. Die Bezeichnung selbst können auch mehrere Ärzte tragen; bei Helios heißt die höchste Entgeltgruppe „Chefarzt-Stellvertreter“.

Igor Naumann, Karriereberater bei Apoli Ärztevermittlung

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