Kassensitz kaufen: warum es auf den Fachbereich ankommt
Sie überlegen einen Wechsel? Wir sagen Ihnen in einem kurzen Gespräch, was der Markt in Ihrer Fachrichtung gerade hergibt.
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Für Hausärzte gab es Ende 2025 laut KBV bundesweit rund 4.600 freie Kassensitze – ohne Kaufpreis. Für Fachinternisten und Radiologen keinen einzigen neuen. Warum das so ist und wer diese Sitze bekommt.
Der Kassensitz – auch KV-Sitz oder Kassenarztsitz genannt – ist das Recht, gesetzlich versicherte Patienten in einer bestimmten Region zu behandeln. Warum kann man einen Kassensitz nicht einfach kaufen? So ganz richtig ist die Frage nicht gestellt. Es hängt davon ab, um welchen Fachbereich es geht.
Hausärzte: Kaufen muss man nicht
Nehmen wir die Hausärzte – Allgemeinmediziner und hausärztlich tätige Internisten. Hier muss man nicht einmal kaufen: Sie stellen einen Antrag beim Zulassungsausschuss – dem Gremium, das die Kassensitze vergibt – bekommen den Sitz ganz kostenlos, können Räume mieten und mit der Arbeit beginnen.
Laut KBV gab es Ende 2025 bundesweit rund 4.600 Niederlassungsmöglichkeiten für Hausärzte – über 80% aller freien Sitze überhaupt. So funktioniert es in einem offenen Planungsbereich. Ist der Planungsbereich gesperrt, kommt auch ein Hausarzt in der Regel nur über eine Nachbesetzung an einen Sitz. Je nach Region sieht das ganz unterschiedlich aus: In Baden-Württemberg gab es 1.088 freie Sitze für Hausärzte, in Hamburg 5.
Nephrologie, Radiologie, Kardiologie, Pneumologie:
Die Zahl der Sitze steht fest
In Fachbereichen wie Nephrologie, Radiologie, Kardiologie oder Pneumologie ist die Lage eine ganz andere. Warum? Weil es von diesen sogenannten Kassensitzen in jeder Region nur eine bestimmte Anzahl gibt und es können nicht plötzlich mehr werden.
Laut KBV gab es Ende 2025 für Fachinternisten – dazu gehören Kardiologen, Nephrologen und Pneumologen – und für Radiologen bundesweit keine einzige Möglichkeit, sich neu niederzulassen. Ein Sitz wird dort in der Regel nur frei, wenn ein Arzt ihn abgibt. Innerhalb der Fachinternisten gelten zudem Obergrenzen: Nach der Bedarfsplanungs-Richtlinie (§ 13 Abs. 6) dürfen auf Kardiologen höchstens 33% der fachinternistischen Versorgung einer Region entfallen, auf Nephrologen höchstens 25% und auf Pneumologen höchstens 18%.
Wer die Sitze bekommt: Familie, Bekannte, Investoren
Deshalb kann man einen Kassensitz in diesen Fachbereichen nicht so einfach kaufen. Nach unserer Erfahrung bleiben die Sitze meistens in der Familie – sie werden an den Sohn oder die Tochter weitergegeben. Oder ein Bekannter kauft den Sitz. Finanzinvestoren gehen von sich aus auf die Ärzte zu und übernehmen diese Sitze zu deutlich höheren Preisen.
Familie
Scheidet ein Arzt aus und wird sein Sitz nachbesetzt, berücksichtigt der Zulassungsausschuss nach § 103 SGB V, „ob der Bewerber Ehegatte, Lebenspartner oder ein Kind des bisherigen Vertragsarztes ist“. Einen Anspruch gibt das nicht – aber einen Vorteil bei der Auswahl.
Investoren
Laut der Bayerischen Landesärztekammer und der KV Bayerns entfallen in der Radiologie „seit dem Jahr 2021 rund 90 Prozent aller Akquisitionen von Praxen auf Investorengruppen“. Und weiter: „Der ärztliche Nachwuchs kann mit den Kaufpreisen für Abgeberpraxen von PEG-Ketten nicht mithalten.“
Ein einzelner Arzt kann mit Finanzinvestoren in der Regel nicht konkurrieren: Sie können für einen Kassensitz deutlich mehr bieten und zahlen es auch tatsächlich.
Was heißt das für einen Arzt, der aus dem Krankenhaus in den ambulanten Bereich will? In Fachbereichen wie der Nephrologie arbeiten nach unserer Erfahrung nur sehr wenige Ärzte in der eigenen Praxis – die meisten sind angestellt, in einer Praxis oder in einem MVZ. Wie das funktioniert, lesen Sie in unserem Artikel zur Anstellung in der Praxis.
Warum Praxisinhaber oft zwei Jahre nach einer Nachfolge suchen, lesen Sie in unserem Artikel zur Praxisnachfolge.
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Unsere Dienstleistung für Ärzte ist kostenlos: Wir verlangen von Ihnen zu keinem Zeitpunkt der Stellensuche eine Zahlung.
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FAQ
Was ist ein Kassensitz? Der Kassensitz ist das Recht, gesetzlich versicherte Patienten in einer bestimmten Region zu behandeln. Wie viele Sitze es je Fachbereich in einer Region geben darf, legt die Bedarfsplanung fest. Sind dort mehr Ärzte tätig als vorgesehen, wird der Planungsbereich gesperrt – ein neuer Sitz ist dort in der Regel nicht zu bekommen, nur ein frei werdender.
Was kostet ein Kassensitz? Das hängt vom Fachbereich ab. Hausärzte bekommen den Sitz in einem offenen Planungsbereich kostenlos: Laut KBV gab es Ende 2025 rund 4.600 freie Sitze für Hausärzte. Für Fachinternisten und Radiologen gibt es keine neuen Sitze: Ein Sitz wird in der Regel nur frei, wenn ein anderer Arzt ihn abgibt – und für solche Sitze zahlen Investoren deutlich mehr.
Kann man einen Kassensitz kaufen? So ganz richtig ist die Frage nicht gestellt. Hausärzte müssen nicht kaufen – im offenen Planungsbereich vergibt der Zulassungsausschuss den Sitz kostenlos. In Nephrologie, Radiologie, Kardiologie und Pneumologie ist die Zahl der Sitze begrenzt, und sie sind nicht so einfach zu kaufen: Meistens bleiben sie in der Familie, gehen an Bekannte oder an Investoren.
Warum bekommen Kinder von Ärzten oft den Kassensitz? Bei der Nachbesetzung berücksichtigt der Zulassungsausschuss nach § 103 SGB V, ob der Bewerber Ehegatte, Lebenspartner oder ein Kind des bisherigen Vertragsarztes ist. Das ist kein Anspruch, aber ein Vorteil bei der Auswahl. Auch deshalb bleiben die Sitze in den spezialisierten Fachbereichen nach unserer Erfahrung meistens in der Familie.
Kann ein Arzt beim Kassensitz mit Investoren mithalten? In der Regel nicht. Investoren können deutlich mehr bieten und zahlen es auch. Laut der Bayerischen Landesärztekammer und der KV Bayerns kann der ärztliche Nachwuchs mit den Kaufpreisen von Private-Equity-Ketten nicht mithalten; in der Radiologie entfallen seit 2021 rund 90% aller Akquisitionen von Praxen auf Investorengruppen.
Ihr qualifizierter Karriereberater
Igor Naumann
Spricht täglich mit Ärztinnen und Ärzten, Chefärzten, Personalleitungen und Geschäftsführungen. Vermittelt Fachärztinnen, Oberärzte und Leitende Oberärzte an Kliniken, MVZ und Praxen in Deutschland und Österreich.